Kurfürstliche Nutzung des Schlosses

Zwischen 1564 und 1582 entstand das Schloss Lichtenburg gemeinsam mit der Schlosskapelle, den Wirtschaftsgebäuden und dem Vorwerk, das sich heute außerhalb des Schlossgeländes befindet. Die Baumeister Hans Irmisch und Christoph Tendler errichteten das Schloss im Auftrag von Kurfürst August I. von Sachsen und seiner Gemahlin Anna von Dänemark. Beide hatten zuvor bereits das Schloss Augustusburg sowie das nahegelegene Jagdschloss Annaburg erbauen lassen.
In der Nachfolge wurde die Lichtenburg zum Wittum der Kurfürstin Hedwig von Dänemark und Norwegen, der Ehefrau Christians II. und Nichte von Kurfürstin Anna. Schon in ihrem Heiratsvertrag war die Lichtenburg als Witwensitz festgelegt.
Mätthäus Merian d.Ä., Ansicht von Schloss Lichtenburg und der Stadt Prettin, colorierter Kupferstich, um 1650
(© Tino Simon | FV Schloss und Gedenkstätte Lichtenburg e.V.)

© Tino Simon | FV Schloss und Gedenkstätte Lichtenburg e.V.
Gut erhaltene Wandmalerei unter der Orgelempore der Schlosskirche

© Maximilian Jähnichen
Altar der Lichtenburger Schlosskirche von Giovanni Maria Nosseni und Sebastian Walther (1613)
Hedwig lebte hier von 1611 bis 1641 und prägte das Schloss entscheidend. Zahlreiche Um- und Neugestaltungen gehen auf ihre Initiative zurück. Besonders bekannt sind die Wandmalereien in den sogenannten Frauengemächern sowie der Altar der Schlosskirche, geschaffen von Sebastian Walther nach einem Entwurf von Giovanni Maria Nosseni. Hedwig kümmerte sich um Kranke und Bedürftige, unterstützte während des Dreißigjährigen Krieges die notleidende Bevölkerung und nahm politisch wie sozial großen Einfluss auf die Region.
Im Jahr 1685 zog Wilhelmine Ernestine von der Pfalz, die dritte Tochter des Königs Friedrich III. von Dänemark und Norwegen, nach Schloss Lichtenburg. Einige Jahre später folgte ihr ihre Schwester Anna Sophie von Sachsen, die Mutter Augusts des Starken. In dieser Nutzungsphase wurde der inzwischen verfallene Schlossgarten zu einem Lustgarten nach französischem Vorbild umgestaltet. Gleichzeitig ließ Anna Sophie das Schloss umfassend instanthalten und erneuern. Beide Kurfürstinnen wünschten sich, auf der Lichtenburg ihre letzte Ruhestätte zu finden, und beauftragten den Bildhauer Balthasar Permoser mit dem Bau einer Gruft in der Schlosskirche.
Wilhelmine Ernestine starb 1706, Anna Sophie folgte 1717. Ihre Gebeine wurden jedoch 1811 in den Dom zu Freiberg überführt, da die Lichtenburg im Jahr 1812 in eine Strafanstalt umgewandelt wurde.

